Ritterdorf Niedergesteln

Geschichte Niedergesteln
Das Schloss Châtillon, das eine der grössten Rollen in der Geschichte des Wallis spielte, ist ein Strebepfeiler des Berges, am rechten Ufer der Rhone, zwischen Raron und Gampel, an einem Ort, wo sich das Tal stark verengt. Diese Position, die von Steilwänden dominiert wird, ist bereits von den tiefen Schluchten von Jollibach isoliert. Sie wird noch hinter ihrer Spitze von einem Graben in den Felsen beschnitten. Das Dorf Niedergesteln befindet sich im Westen des Strebepfeilers.
Das Territorium Châtillon war vermutlich ein unabhängiges Lehen, nur vom Reich angenommen; die Herren von la Tour huldigten Savoyen erst später in 1356. Diese Familie von la Tour, die aus der Dauphiné abstammen zu scheint, kam in Châtillon nach 1170 an; Sie bändete sich mit den Rittern von Châtillon an, die zu ihren Feudalen wurden. Das Schloss wurde in 1235 erwähnt. Seit dieser Zeit waren die la Tour die mächtigste Familie im feudalen Wallis, welche neben der Mehrheit von Sitten, Lehen in Chablais, im Berner Oberland und in Freiburg besassen.
Sie wurden in Feindseligkeiten, die gegen den Bischof Bonifatius von Challant in 1294 verwickelt, als das Dorf Visp geplündert wurde. In der Folge der Kämpfe die stattfanden von Guichard Tavelli gegen Raron und Gemeinden, brachte der Graf von Savoyen, der zu Hilfe des Bischofs kam, dem Herrn von la Tour, Pierre V, dazu, in 1356 die Suzeranität von Savoyen an zu erkennen. Aber die Kämpfe gingen bald weiter, es war vor allem der wachsende Widerstand der Gemeinden gegen die grossen feudalen Familien. Gegen 1366 verwüsteten der Bischof und Gemeinden den Besitz von la Tour und brannten in Châtillon 30 Häuser nieder. Im folgenden Jahr belagerten die Gemeinden das Schloss, aber ohne Erfolg.
Nach dem Mord an dem Bischof Guichard von Antoine de la Tour, in la Soie am 8. August 1375, brach der Krieg erneut aus; Antoine de la Tour schlug sich in der Nähe der Brücke von Saint-Leonard, floh zum Hof von Savoyen. Er verkaufte das Schloss am Grafen, der es sofort dem Bischof Eduard von Savoyen den Grafen weiterverkaufte. Dieser, in der Bemühung, die Festung zu retten, liess dort einen Schlossherren installieren. Das Schloss wurde endgültig erobert und zerstört im Sommer 1384, während des Krieges zwischen Amadeus VII und den Gemeinden, nach der Vertreibung von Bischof Eduard von Savoyen.
Der Zugang zur Burg ist durch das Viertel im Südosten des Dorfes. Man gelangt hinein, über Terrassen, und durch eine Tür, wo verschiedene Konstruktionen [Wohnungen und Dependenzen für die Garnison] standen, und eine Zisterne. Dieser Teil des Schlosses, das planum castri oder plain-château, war umgeben von hohen Mauern, die die Felsen von oben nach unten empor kletterten, die zum Schloss selbst führten.
Um es zu erreichen, muss man zuerst eine steile Steigung und eine Felsenbank überqueren, und sich auf eine in einer mit Platten belegte Rampe mit Treppen einlassen. Diese Rampe war breit genug, dass die auch Pferde sie früher benutzen konnten.
Der Haupt-Wohnkörper [ein Viereck von 40 X 13 m] wurde erbaut auf grossen Stützmauern, im Westen zeichnet sich ein Sporn mit einem Turm aus, der das Dorf dominiert; in der Südwestlichen Ecke verlängerte ein sehr grosses Strebepfeiler die östliche Ringmauer. Wenn das Erdgeschoss aus Räumen für die Wache bestand, lagen die Küchen und die Dependenzen um einen kleinen Hof, der erste Stock war nur für die Wohnungen des Herrn reserviert.
Ein Graben verteidigte im Norden den Wohnkörper. Durch eine Zugbrücke gelangte man in den dritten Teil des Schlosses, die Umfriedung des Wachturms, die sich auf 90 Meter über dem Dorf befindet. Diese Umfriedung steht auf einer letzten Spitze, einen Fels in der Form einer Pyramide, unregelmässig geschnitten, zu dem man durch Treppen oder Leitern gelangte. Ein enger Felsvorsprung führt um die Pyramide als Zugang zu den Graben im Norden. Der Wachturm ist ein kleiner Rundturm. Gemäss seinen Proportionen scheint er aus der zweiten Periode der runden Wachtürme zu stammen, gegen 1265; es ist also noch später als Saillon und Brignon.
Die Ruinen zeigen, dass Châtillon die mächtigste Festung des feudalen Wallis war. Sie war nicht die umfangreichste, aber die am besten zu verteidigen, was ihr sicher zum Überleben von mehreren Belagerungen verhalf.
Eine prähistorischer Unterboden liegt unter der Ruine.
Niedergesteln
Am nördl. Rand des Rhonetals an einen Felsen angelehntes Dorf. 1179-1184 Chastellon, 1224 Castellion, 1420 Castellio Inferior, franz. früher Châtillon-le-Bas. 1850 176 Einw.; 1900 240; 1950 344; 2000 573. Die an der alten rechtsufrigen Landstrasse gelegene Siedlung mit dem castrum oberhalb des Dorfs wurde vielleicht von Kaufleuten aus Savoyen errichtet. Ab Ende des 12. Jh. besassen die Frh. von Turn-Gestelnburg N. als bischöfl. Lehen und Kastlanei. Im 2. Viertel des 13. Jh. erbauten sie auf dem nahen Felsen eine Burg mit Rundturm, die mit Hilfe der Stiftung Pro Castellione 1984-93 erforscht und teilweise restauriert wurde. 1375 besetzten die fünf Oberen Zenden des Wallis das Lötschental und vertrieben die Herren von Turn, die ihre Güter und Rechte in N. den Gf. von Savoyen veräusserten. 1384 zerstörten die Zenden die Burg, die der Bf. von Sitten mittlerweile den Gf. von Savoyen abgekauft hatte, und richteten 1430 gegen den Willen des Bischofs in N. eine Kastlanei ein. 1790 kauften sich die Untertanen frei. N. bildete vor 1798 mit Lötschen und Benken (heute Gem. Steg) den unteren Drittel des Zenden Raron. Die Gemeindestatuten datieren von 1564. Das Rathaus wird 1606 erwähnt. Die Pfarrkirche hl. Maria (ab ca. 1704 hl. Maria vom Berge Karmel) wird 1310 erstmals erwähnt. Die Pfarrei bildete von ca. 1248 bis 1607 ein - wohl von Gyrold von Turn gestiftetes - Priorat der Chorherren-Abtei Abondance (Savoyen). Der Prior besass vom 14. Jh. bis 1798 die kleine Kastlanei Giesch. 1766 löste sich Eischoll von der Pfarrei, 1913 trennten sich auch Steg und Hohtenn ab. Erst 1852 und 1860 teilten N., Steg und Hohtenn ihre Allmenden und gemeinsamen Wälder endgültig unter sich auf. Nach der Entsumpfung der Rhoneebene in der Mitte des 19. Jh. zogen die Leute der am Berghang liegenden Weiler wie Ladu, Brägji und Tatz allmählich ins Dorf hinunter. Im 20. Jh. boten neben der Landwirtschaft die Fabriken der Umgebung wie das 1963 gegr. Aluminiumwerk Steg Arbeitsplätze. Das oberhalb der BLS-Linie gelegene Territorium von N. gehört seit 2001 zum Unesco-Welterbe Jungfrau-Aletsch-Bietschhorn.